Wechseljahre

Die Lebensmitte ist kein Reparaturprojekt

Über Wechseljahre, das Älterwerden und die Freiheit, sich nicht ständig verbessern zu müssen.

Bernadette Rinner, BA MA ·

Da ist dieser Moment vor dem Spiegel. Du schaust dich an. Vertraut, eigentlich. Und doch hat sich etwas verändert.

Vielleicht magst du, was du siehst. Vielleicht brauchst du noch ein bisschen Zeit dafür.

Währenddessen hat die Welt längst Vorschläge.

Straffer soll es werden. Fitter. Ausgeglichener. Die Haut, die Hormone, am besten gleich das ganze Leben. Für jeden Übergang ein Produkt. Für jede Unsicherheit ein Versprechen.

Als wäre Älterwerden etwas, das man rechtzeitig verhindern müsste.

Dabei bist du mitten im Leben. Mit allem, was du geworden bist. Mit Erfahrung, Eigensinn und Dingen, auf die du heute anders schaust als mit dreißig.

Und ja, vielleicht auch mit einer Lesebrille. Irgendwer muss schließlich das Kleingedruckte dieser Versprechen lesen.

Wechseljahre: Ein Übergang, den jede anders erlebt

Die Wechseljahre gehören zum natürlichen Älterwerden. Die Funktion der Eierstöcke verändert sich, die fruchtbare Lebensphase geht zu Ende. Bei den meisten Frauen liegt die natürliche Menopause zwischen 45 und 55 Jahren. Manche erleben wenig Beschwerden, andere werden im Alltag erheblich beeinträchtigt. [1]

Es gibt keinen richtigen Verlauf, an dem du dich messen müsstest.

Deine Freundin schläft durch. Du vielleicht nicht. Sie empfindet das Ende ihrer Monatsblutung als Befreiung. Dich beschäftigt es mehr, als du erwartet hättest.

Beides hat Platz.

Ein Übergang wird nicht leichter, wenn jemand danebensteht und erklärt, wie unkompliziert er bei ihr gewesen ist.

Perimenopause, Menopause – was heißt das eigentlich?

Die Perimenopause ist die Übergangszeit rund um die letzte Regelblutung. Sie beginnt mit Veränderungen des Zyklus beziehungsweise weiteren Zeichen des Übergangs und reicht bis ein Jahr nach der letzten Regelblutung.

Die Menopause bezeichnet die letzte Regelblutung. Bei einem natürlichen Verlauf wird sie rückblickend festgestellt: nach zwölf Monaten ohne Blutung, sofern keine andere Ursache vorliegt. Die Zeit danach heißt Postmenopause. Hormonelle Verhütung oder medizinische Eingriffe können die Einordnung anhand der Blutung erschweren. [1]

Du kannst also bereits Veränderungen erleben, obwohl du noch deine Periode bekommst. The Menopause Society beschreibt für die Perimenopause eine unregelmäßiger werdende Hormonproduktion und Veränderungen von Zykluslänge und Blutung. [2]

Diese Begriffe zu kennen, löst nicht alles. Aber manchmal beginnt Orientierung damit, endlich zu verstehen, wovon eigentlich gesprochen wird.

Du musst nichts tapfer wegstecken

Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Schlafprobleme oder vaginale Trockenheit können mit den Wechseljahren zusammenhängen. Wie stark sie auftreten, ist unterschiedlich. [1]

Auch Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit werden während des Übergangs berichtet. Dafür wird häufig der Begriff „Brain Fog“ verwendet. Einzelne Beschwerden zeigen allerdings nicht automatisch, dass ihre Ursache hormonell ist. [2]

Die Lebensmitte bringt schließlich mehr mit sich als Veränderungen der Eierstöcke. Da sind Arbeit, Beziehungen, Verantwortung. Vielleicht Abschiede. Vielleicht etwas Neues, für das bisher kein Platz war.

Und es gibt andere gesundheitliche Ursachen, die berücksichtigt werden müssen. Neue, anhaltende oder belastende Beschwerden gehören deshalb ärztlich abgeklärt. Auch Veränderungen der Blutung solltest du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen. [2, 3]

Den eigenen Körper anzunehmen heißt nicht, Beschwerden hinzunehmen.

Du darfst dich ernst nehmen. Ohne erst beweisen zu müssen, dass es schlimm genug ist.

Wissen statt Glaubensfragen

Gerade beim Thema Hormone begegnen einem sehr entschiedene Meinungen. Manchmal so entschieden, dass für eine ehrliche Frage kaum Raum bleibt.

Dabei braucht eine persönliche medizinische Entscheidung mehr als Überzeugung.

Das Positionspapier der damaligen North American Menopause Society von 2022 beschreibt die Hormontherapie als wirksamste Behandlung gegen Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen. Gleichzeitig betont es die individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken. Diese hängen unter anderem von Präparat, Dosis, Anwendungsform, Behandlungsdauer und Zeitpunkt des Beginns ab. [4]

Welche Behandlung für dich infrage kommt, gehört ins ärztliche Gespräch.

Du musst vorher keine fertige Meinung haben. Du darfst fragen, abwägen und um eine Erklärung bitten, die du verstehst.

Das gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate. Das Österreichische Gesundheitsportal empfiehlt, ihre Einnahme vorher ärztlich zu besprechen. [5]

„Natürlich“ klingt vertraut. Was ein Mittel tatsächlich kann und ob es für dich geeignet ist, beantwortet das Wort allein noch nicht.

Was darf bleiben? Was passt nicht mehr?

Nicht alles, was uns in der Lebensmitte beschäftigt, ist eine medizinische Frage.

Manches betrifft unser Bild von uns selbst. Gewohnheiten, die lange selbstverständlich waren. Erwartungen, die wir erfüllt haben, ohne noch zu fragen, ob wir das eigentlich möchten.

Vielleicht magst du deine grauen Haare. Vielleicht färbst du sie. Vielleicht hast du gerade wirklich andere Sorgen als deine Haare.

Du musst aus keiner dieser Entscheidungen eine Haltung für alle Frauen machen.

Auch deine Lebensmitte braucht kein großes Vorher und Nachher. Du darfst manches verändern und anderes behalten. Du darfst unsicher sein, obwohl du schon viel erlebt hast.

Erfahrung bedeutet nicht, dass man bei jedem neuen Übergang sofort weiß, wo es langgeht.

Vielleicht lohnt es sich, kurz bei diesen Fragen zu bleiben:

Was beschäftigt mich gerade wirklich?

Was möchte ich verstehen?

Und welche Vorstellung davon, wie ich jetzt sein sollte, darf ich getrost zurücklassen?

Du brauchst darauf heute keine vollständige Antwort.

Wenn du viel gelesen hast und trotzdem Fragen offenbleiben

Ein Artikel erklärt die Hormone. Der nächste spricht über Schlaf. Dazwischen begegnet dir ein neuer Begriff, und schon liest du weiter.

Irgendwann weißt du mehr. Ob du dich besser auskennst, ist eine andere Frage.

Genau hier setzt die persönliche Wissensstunde bei PIVOT an.

Ich bin Bernadette Rinner, zertifizierte Wechseljahrberaterin. Du bringst einen Schwerpunkt mit, ich erkläre die Zusammenhänge und du kannst direkt nachfragen. Zum Beispiel, wenn du die Phasen der Wechseljahre verstehen oder dir Grundlagen für dein nächstes Arztgespräch erschließen möchtest.

In MEIN PIVOT halten wir dein Ergebnis fest: drei klare Punkte, zwei offene Fragen, ein nächster Schritt.

60 Minuten · 119 Euro · in Schärding oder online. Die Wissensstunde ist einzeln nutzbar.

Welche Frage möchtest du nicht noch ein halbes Jahr mit dir herumtragen?

Für die kannst du dir Zeit nehmen.

Die Lebensmitte gehört dir

Du musst diese Jahre nicht jeden Tag mögen. Du musst ihnen auch nicht ständig etwas abgewinnen.

Manches wird leichter. Anderes braucht Aufmerksamkeit. Und zwischendurch findet ganz gewöhnliches Leben statt.

Du darfst dir Wissen holen, medizinische Versorgung nutzen, Entscheidungen überdenken. Du darfst lachen. Auch über die vielen Vorschläge, die andere für dein Leben haben.

Die Lebensmitte ist kein Reparaturprojekt. Sie gehört dir.

Deine Bernadette

Ein Impuls. Einmal im Monat.

Mit deiner Anmeldung möchtest du den monatlichen PIVOT-Newsletter kostenlos erhalten. Du bestätigst deine E-Mail-Adresse über einen Link. Erst danach bist du dabei. Abmelden geht jederzeit über den Link in jeder Ausgabe. Datenschutzhinweise

Gesundheitsbezogene PIVOT-Angebote dienen der Wissensvermittlung und Orientierung und ersetzen keine ärztliche Diagnose, Behandlung oder individuelle medizinische Therapieentscheidung.